Festmarsch

Die Geschichte unseres Festmarsches

Es war einmal (und diese Geschichte ist kein Märchen) so ungefähr in den Jahren 1998/1999 eine dieser Feierlichkeiten, bei denen (Volks)musiker stimmungsbedingt manchmal dazu neigen, zu späterer Stunde Marschmusik aufzulegen. Zumindest ist diese Verhaltensweise bei einigen Einwohnern des Sauerlandes verbreitet.

So erging es auch unseren drei Kollegen Herbert Terburg, Ludger Weber und Wilfried Starke. Ganz besonders hatte es den Dreien an diesem Abend ein unbekannter Marsch angetan, der immer und immer wieder aufgelegt wurde.

Gar nichts wahnsinnig besonderes – aber schön! So mit Hörnerklang, Kesselpauken und fanfaren-artig spielenden Trompeten. Mal was anderes halt. Der Titel auf der CD: Marsch König Ludwig II. (fĂĽr alle musikinteressierten Fachleute – nicht zu verwechseln mit dem König Ludwig II. Marsch)!

Natürlich beschloss man sofort, diesen Marsch für das Orchester anzuschaffen, zumal auch endlich einmal die (in unserem Orchester sehr gut besetzten Hörner) wirkungsvoll zum Einsatz kamen.

Sämtliche (monatelangen) Bemühungen bei allen bekannten Verlagen und via Internet führten allerdings leider zu keinem Ergebnis. Den Marsch gab es nicht!

Mehrmalige Kontakte mit dem Musikkorps, welches den Marsch seinerzeit auf der CD eingespielt hatte und mit dem Verlag, der die CD herausgebracht hatte, blieben ebenfalls erfolglos. Die Noten waren nicht (mehr) vorhanden. Ehemalige Musiker des Musikkorps konnten sich zwar noch gut an den Marsch erinnern – Noten allerdings waren damals nur fĂĽr die Aufnahme verteilt worden.

Ein ehemaliges Musikkorps-Mitglied erinnerte sich, dass die Noten seinerzeit auch einen anderen Titel trugen, als der Marsch später auf der CD. Die Noten waren überschrieben mit: Marsch der schweizerischen Milchmädchen!

Nun gut – es ist durchaus verständlich, dass man fĂĽr die CD einen anderen Titel nutzte. Die Recherchen gingen also unter dem neuen Titel weiter.

Zwischenzeitliche Kontakte mit der Witwe des Komponisten (Karl Barthel war leider schon verstorben), fĂĽhrten ebenfalls zu keinem Ergebnis. Obwohl sie langwierig alle alten Unterlagen Ihres Mannes auf’s GrĂĽndlichste durchgesehen und alte Verlagsrechte geprĂĽft hatte – der Marsch blieb unauffindbar.

Umfangreicher Schrift-, Email- und Telefonverkehr mit verschiedensten Stellen zog sich ĂĽber eine lange Zeit. Mittlerweile waren sicher schon ein paar Jahre ins Land gegangen in denen man sich “immer mal wieder” gekĂĽmmert hatte und bei so mancher Feierlichkeit musste der Marsch aufgelegt werden – immer verbunden mit dem Gedanken, ihn einmal selbst spielen zu wollen.

Getreu dem Motto “Geht nicht, gibt’s nicht – in Zeiten, in denen die Menschen zum Mond fliegen, muss es doch möglich sein, dass … … … !” war auch schon einige Male der Gedanke aufgekommen, den Marsch nach der Aufnahme zu schreiben.

Diesbezügliche eigene Versuche scheiterten allerdings kläglich und selbst versierte Leute auf diesem Gebiet winkten vielsagend ab.

Wir wollen die vielfältigen BemĂĽhungen, den Marsch als Noten fĂĽr unseren Verein zu bekommen, hier nicht weiter aufzeigen. So viel vielleicht nur noch – es waren viele. Sehr viele!

So weit – so gut.

Wie so oft im Leben half der Zufall weiter und es bewahrheitet sich wieder mal der Spruch: Steter Tropfen höhlt den Stein! Solche Geschichten entwickeln halt irgendwann eine gewisse Eigendynamik. Sie kennen das sicher, wenn man irgendetwas unbedingt haben will.

Gar nicht mal, weil es so unglaublich toll ist, sondern vielmehr, um es zu haben – koste es, was es wolle! (Na ja – koste es, was es wolle, nun auch wieder nicht – aber man ist schon bereit, bei solchen Sachen einiges zu investieren).

Bei einem Telefonat in ganz anderer Sache kam man zufällig mit dem Eigentümer eines großen deutschen Musikverlages auf den Marsch zu sprechen. Man tauschte sich aus und nach langem hin und her (… … und weiteren Briefen, weiteren Telefonaten und weiteren Emails) ließ sich der o. g. Eigentümer zu einer Aussage hinreißen, die uns weiterbrachte.

“So einen Marsch einfach nach einer Aufnahme originalgetreu nachzuschreiben, von der Sorte Arrangeure gibt es in Europa vielleicht noch zwei oder drei. Ich selbst kenne eigentlich nur einen: Karl Safaric. Wohnt in Österreich!”

Aha! Jetzt geht’s voran!

Also – Karl Safaric in Ă–sterreich ausfindig gemacht, geschrieben, telefoniert.

Aber – er winkt ab.

“Nein – eigentlich habe ich mich entschlossen, keine Märsche mehr zu arrangieren … … !”

“Ist auch nicht ganz billig, so was … … !”

“Will mich eigentlich aus dem Geschäft zurückziehen … … !”

Gut – jetzt mussten ĂśberredungskĂĽnste her. Und vor allen Dingen musste er erstmal den Marsch kennenlernen. Also – Aufnahme hingeschickt – zwei Wochen gewartet – wieder angerufen.

Auch an dieser Stelle mĂĽssen wir den Bericht noch einmal kĂĽrzen (es soll ja kein Buch werden). Zumindest war auch fĂĽr Karl Safaric eines sofort klar:

“Ein schöner Marsch – wĂĽrde sich schon lohnen!” Und schlieĂźlich wurde man handelseinig. Karl Safaric schrieb den Marsch – einfach nach der Aufnahme von der CD.

Nun gut – erst sollte er zum 31.10.2006 fertig sein, dann zum 31.12.2006. Dann doch erst zum 31.03.2007 und letztlich wurde es doch der 01. Mai 2007.

Aber – er ist da! Und, wie wir finden, sehr gelungen! Auch die Rechte (an dieser selbstgeschriebenen Ausgabe) hatte man erworben und so konnten wird dem Marsch fĂĽr unseren Verein sogar einen neuen Namen geben.

Auch das war allerdings erst wieder mit einer längeren Entscheidungsfindung verbunden.

Ein Name musste her! Ja – wie sollte er denn heiĂźen? Sie kennen das vielleicht, wenn man ein Kind erwartet. Da ist es nicht so einfach, sich auf einen schönen, passenden, prägnanten, individuellen und dennoch allgemeingĂĽltigen Namen zu einigen.

Vielleicht HeLuWi – Marsch? Von He(rbert), Lu(dger)und Wi(lfiried)?

Immerhin war er den drei Kollegen und ihren Mühen ja zu verdanken. Und der Name war immer noch besser, als das mit den Milchmädchen!

Aber nein, dieser Name hätte sicher zu sehr an das ähnlich ausgesprochene Fest am 31. Oktober erinnert und war nicht nur aus diesem Grund eher sehr unpassend.

Eigentlich drängte sich bei dem Hörnersound, den Trompetensignalen und dem Einsatz der Kesselpauken ein unmittelbarer Bezug zu unserer Heimatstadt – immerhin der waldreichsten Stadt Deutschlands – auf. AuĂźerdem gab (und gibt) es bisher keinen Marsch, der nach unserer Heimatstadt benannt ist.

Also:

Brilon – Stadt des Waldes am Rothaarsteig. Und weil der Marsch uns so gut gefällt und auch, weil er mit so vielen MĂĽhen verbunden war, haben wir ihn gleichzeitig als Blasorchester Brilon Festmarsch auserkoren.

Der Marsch wurde beim Jahreskonzert 2008 uraufgefĂĽhrt.